Titel
#New
#G*Book
#Contact
#Old
#Abo

#Categories
#Eins
#Zwei
#Drei
#Vier


Praktikumsbericht:

In der Zeit vom 12.03.07- 30.03.07 absolvierte ich mein Sozialpraktikum im Waldorfkindergarten Berlin Pankow.
Noch immer habe ich die Erinnerungen des ersten Tages vor Augen. Erst gab ich mich etwas schüchtern und zurückhaltend, da ich erst einmal die Gruppe beobachten wollte. Erst als ein Kind offen und vertrauensvoll auf mich zukam, wurde ich lockerer. Im Laufe der ersten Woche haben sie mir gezeigt, dass ich warten muss, bis sie auf mich zukommen und nicht andersherum. Aber ich denke, dass auch ich mich den Kindern öffnen und auf sie zugehen muss.
Schon am ersten Tag fühlte ich mich integriert und für wahr genommen. Der Tag begann ruhig und gelassen. Die Erzieherin, welche an diesem Tag da war, und mit der ich auch schon vorher telefonisch Kontakt hatte, ist mir sehr freundlich und hilfsbereit gegenüber getreten. Nach und nach füllte sich der Raum, denn die ersten Kinder trafen ein. Es waren nicht alle Kinder der Kleinkindgruppe gekommen. Kleinkindgruppe bedeutet, dass diese Gruppe nur aus den Kindern besteht welche erst zwei- bis zwei Einalb oder auch drei Jahre alt sind.
Während der Freispielzeit können die Kinder, mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Spielzeug spielen. Mir ist aufgefallen, dass die Kinder immer wieder die Kastanien (Ein großer Korb mit selbst gesammelten Kastanien schmückte den Raum) bevorzugen und jeden Tag damit spielten. Es wurde ihnen nie langweilig. Die Kinder setzen ihre Kreativität und Fantasie voll mit ein. Auch die Holztiere waren sehr begehrt und es wurden auf Deckchen Zoolandschaften gebaut, die hier und da mit Bausteinen geschmückt wurden. Nach der Freispielzeit, haben wir mit den Kindern gemeinsam aufgeräumt. Wenn alle Spielsachen und alle anderen verwendeten Materialien wieder an ihrem Platz sind, beginnen die Erzieherin mit den Kindern den Tag mit dem Reigen. Den Reigen kann man als rhythmisches Element erklären, welches die Wahrnehmung und Geschicklichkeit der Kinder fördert. Der Reigen ist den Jahreszeiten angepasst, d.h. im Frühling geht man mehr auf das Blühen der Blumen und das Erwachen aus dem Winter ein. Auch ist der Reigen als Bewegungsübung zu erklären. Zu einem Lied wird etwas getanzt oder etwas mit den Armen unterstützt.
Wenn diese Übung abgeschlossen ist, gehen die Kinder mit den Erziehern ins Bad. Dort werden die Hände gewaschen und anschließend setzen sich alle Kinder auf die beiden dastehenden Bänke. Eine Erzieherin gibt dann jedem Kind ein Tröpfchen Öl auf die Hand. Die Kinder ölen ihre Hände ein und lassen manches Kind oder den Erzieher an ihren Händen riechen. Als ich diese Prozedur das erste Mal erlebte, saß ein Kind währenddessen auf meinem Schoß und ich bekam ebenfalls ein Tröpflein Öl auf meine Hand. Nicht jedes Kind ließ mich riechen, aber es kamen doch immer einige auf mich zu und wollten dass ich an ihren Händen rieche. Ich denke, dass die Kinder nicht nur wissen wollen wie ihre Hände riechen, sondern sie freuen sich und Lachen darüber, wenn wir sagen ihre Hände riechen gut, was ich damit meine ist, dass sie auf ein Kompliment, eine Bestätigung aus sind. Für mich gab es kaum schönere Momente, wie wenn sich ein Kind mir näherte oder mir ein Lächeln schenkte. Selbst wenn ich mit dem Kind nicht so gut zurecht kam.
Wenn die Hände eingeölt sind, geht es zusammen zum Frühstück. Die Kinder
essen das Brot, welches ihre Eltern mitgaben. Wenn alle Kinder aufgegessen haben, gibt es noch einen Obstteller. Jeden Tag wird ein frischer Obstteller (manchmal auch Gemüse) verteilt. Die Erzieherin achtet darauf, dass sich die Kinder immer nur ein Stückchen vom Obstteller nehmen.
Nachdem das Frühstück beendet ist, zogen wir die Kinder zum rausgehen an. An vier Tagen in der Woche geht es in den Garten. Einen Tag in der Woche, den Donnerstag machten wir uns mit den Kindern auf den Weg in den naheliegenden Park.
Der Garten liegt auf dem Grundstück des Kindergartens. Das Haus in dem die Kleinkindgruppe ist, befindet sich gegenüber dem Kindergarten. An der Hand führen wir die Kinder über die Straße bis zum Tor. Dann dürfen sie selbstständig bis an den Zaun des Gartens laufen. Jeden Tag sind die Kinder ca. eine Stunde draußen an der frischen Luft. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit den Kinderwägen und dem Sandkasten. Hier habe ich erkannt, dass sich jedes Kind ganz individuell beschäftigt. Sei es alleine, sei es mit der Erzieherin oder beim Klettern. Sie wissen was ihnen am meisten Spaß macht. Beim Klettern standen wir an dem Baumstamm, der sich in dem Garten befindet und achteten darauf dass sie alleine nach oben kommen und auch alleine wieder nach unten. Wenn ein Kind es nicht schaffte zu klettern, dann konnte es nicht klettern. Wir legten wert darauf, dass die Kinder von alleine nach oben kommen. Ein Erzieher stand zur Sicherheit immer daneben.
Schon am Anfang der Woche kam die Frage auf, wann es denn in den Park geht und ob der Tag heute schon sei um in den Park gehen zu können. Die Kinder freuten sich immer darauf, wenn sie in den Bollerwagen steigen und wir uns mit ihnen auf den Weg machen. Ein kleines Stück weiter befindet sich die Parkanlage. Im Park liefen wir mit den Kindern „verschiedene Stationen“ an. Das heißt, als erstes machten wir kurzen Halt an einem Baumstumpf, dann an einer Bank und an einer Brücke. Die „letzte Station“ ist der Hügel. Dort machen wir eine größere Pause. Die Kinder können sich dann frei bewegen und mit den Erzieherinnen oder mit den anderen Kindern spielen.
Zur Mittagszeit liefen wir bis zu einer weiteren Brücke und dort stiegen die Kinder dann in den Bollerwagen. Es geht zurück in den Kindergarten. Während die Kinder dann beim Händewaschen sind, bereitet eine Erzieherin das Essen vor. Der Nachteil der hier besteht ist, dass das Essen aus der Küche geholt werden muss, die sich im anderen Gebäude befindet. Wenn alle Hände sauber sind, setzen sich die Kinder an den Tisch. Wie auch beim Frühstück, begannen wir hier mit einem Tischgebet. Nach dem Essen wurden die Kinder abgeholt. Zur Mittagsruhe waren es immer nur sehr wenige. Die höchste Anzahl welche ich erlebte, waren vier Kinder.
Die Kinder, die dann zur Mittagsruhe bleiben gehen gewohnt zum Zähneputzen. Währendessen wird anstehender Abwasch erledigt und gegebenenfalls der Raum gekehrt. Nach dem Zähneputzen zogen wir die Kinder zum Schlafen an und nach einer Geschichte, wurde friedlich geschlummert. Neben diesem rhythmischen Tagesablauf werden den Kindern außerdem geführte Aktivitäten wie Malen oder Backen angeboten. Auch hier gibt es einen geregelten Wochenablauf. Zu Beginn der Woche wird zusammen mit den Kindern ein wenig saubergemacht. Der zweite Tag der Woche wird dem Malen gewidmet. Wie es in der Waldorfpädagogik üblich ist, malen die Kinder mit Aquarellpapier und Aquarellfarben. Es wurde immer nur eine Farbe auf das nasse Papier gebracht. Die Bilder wurden dann mit Namen und Datum versehen.
Am Mittwoch bestaunen die Kinder vor dem Mittagessen ein Puppenspiel. Das Puppenspiel besteht aus einer Geschichte, die durch Wollzwerge und eine Stofflandschaft anschaulicher gemacht wird. Der Donnerstag ist dann, wie schon geschildert, der Parktag. Am letzten Tag in der Woche wird gebacken. Aus Brötchenteig werden verschiedene Formen geformt. Zum Frühstück gibt es dann die selbstgebackenen Brötchen.
Meine Hauptsächlichen Aufgaben lagen darin, mich mit den Kindern zu beschäftigen, ständig ein Auge auf sie zu haben und auch auf die Sauberkeit im Kindergarten zu achten.
Dadurch dass während meiner Praktikumszeit einige Erzieherinnen krank waren, bekam ich deutlich das Gefühl, dass ich gebraucht wurde. So habe ich einen Intensiven Einblick in den Tages- und Wochenablauf des Kindergartens bekommen und somit auch das Verhalten der Kinder genau beobachten können. Die Kinder sind den Tagesablauf gewohnt und wissen was als nächstes ansteht. Das gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit. Wenn trotz Ausfallen einer Erzieherin der Tagesablauf aufrecht erhalten werden kann, ist der Verlust von einer Kraft kein großes Problem. Wenn jedoch der geregelte Ablauf wegfällt, spürt man bei den Kindern doch eine gewisse Unsicherheit. Insofern ist der Verzicht auf eine Erzieherin nicht groß, da sie beide kennen und wissen dass sie ihnen Vertrauen können.

_______________________________________________

Wie gingen die Mitarbeiter untereinander um? Achteten sie sich gegenseitig?

Die Mitarbeiter gingen nicht unfreundlich oder aggressiv miteinander um. Sie achteten sich, ja, denn schließlich kannten sie sich schon länger und wussten was zu tun ist.
Was mir aufgefallen ist, ist das sie sich aufeinander verlassen müssen und aufeinander angewiesen sind. In Pausen, wo die Kinder zum Beispiel schliefen oder wenn alle draußen waren, wurden auch mal ein Paar Worte gewechselt. Ich hatte nun die Situation, dass in der ersten Woche eine Erzieherin fehlte und die, die in der ersten Woche da war, wiederrum in der zweiten Woche fehlte. So hatte ich intensiv mit beiden Erzieherinnen zutun und konnte feststellen, dass das Verhältnis untereinander sehr gut ist. Sie verstehen und respektieren sich.

Wie gingen die Mitarbeiter mit den Kindern um?

In der Zeit meines Praktikums erlebte ich jeden Tag, in verschiedenen Situationen, wie die Erzieher mit den Kindern umgingen. Als erstes möchte ich sagen, ist mir aufgefallen, das der Ton bei Ermahnungen oder Zurechtweisungen sachlich und ruhig blieb. Auch ist mir aufgefallen, dass beide Erzieher etwas verschieden mit den Kindern in solchen Situationen umgingen. Der Ton, blieb wie schon erwähnt, ruhig und sachlich bei beiden Erzieherinnen. Dennoch wurden Entscheidungen der Kinder akzeptiert. Der Streit fair geschlichtet. Bei den Entscheidungen meine ich, wenn ein Kind, aus verschiedenen Gründen, sich zum Beispiel dem anfassen an den Hände beim Tischgebet nicht beteiligen wollte, so brauchte es das auch nicht.
Beim gemeinsamen Reigen, wenn das Kind sich ruhig verhielt, darf es zuschauen, doch in während meiner Praktikumszeit gab es keine Situation, in der ein Kind nicht mitgemacht hatte. Die Erzieherinnen widmeten sich in einem solchen Fall nicht dem Kind, sondern ließen es während des Reigens einfach in Ruhe. Bei den Streitereien gingen meist die Erzieher dazwischen und gaben zum Beispiel das weggenommene dem Kind wieder zurück. Was sie damit erreichen wollten war, dass die Kinder sich abwechseln sollten. Einer Streitsituation so bewusst aus dem Weg zu gehen und von vornerein zu wissen, dass es besser ist, sich abzuwechseln.

Wie wurden Sie persönlich empfangen? – Natürlich sind Sie nur Gast. Aber fühlten Sie sich trotzdem einigermaßen integriert oder ließ man Sie häufig spüren, dass Sie noch zu jung oder hier fremd waren?

Den Eindruck, dass ich zu fremd bin oder zu jung bin für manche Aufgaben, hatte ich nicht erlebt. Ich bekam deutlich das Gefühl, dass ich gebraucht wurde. Hätte ich aus Krankheit gefehlt, gäbe es sicher einige Probleme. Schon am ersten Tag wurde ich völlig in die Arbeit integriert. Ich kümmerte mich um die Kinder und half, wo es etwas zutun gab. Es brauchte zwar einige Zeit bis ich mich an alles gewöhnte, aber man ließ mich nie spüren das ich fremd oder zu jung gewesen sei, um volle Leistung zu vollbringen.

Was funktionierte bezüglich des sozialen Miteinanders gut – wodurch war das möglich?

Gut funktionierte, durch das soziale Miteinander, der ganze Ablauf im Kindergarten. Wenn es irgendwo Schwachstellen gegeben hätte, hätten sich diese auf das Klima und auch auf die Betreuung der Kinder ausgewirkt.

Wodurch war das möglich?

Durch das soziale Miteinander ist das möglich gewesen. Würde es dieses nicht geben, wäre keine Betreuung möglich. Auch wenn es zum Beispiel Unstimmigkeiten jeglicher Art oder Feindschaften unter den Erziehern oder gar bei den Eltern gegeben hätte, wäre das ganze Miteinander gestört oder geschwächt gewesen, oder auch stark beeinträchtigt, was sich wiederrum auf die Kinder ausgewirkt hätte.

Was war bezüglich des sozialen Miteinanders schlecht? Woran lag dies? Was wäre Ihrer Meinung nach nötig gewesen, um es zu ändern?

Mir persönlich sind keine negativen oder problematischen Aspekte aufgefallen. Es funktionierte alles sehr gut. Zudem habe ich ja nur einen Teil des Kindergartens kennen gelernt und schreibe auch nur aus dem Beispiel meines Arbeitsumfeldes in der Kleinkindgruppe heraus.

Welche Möglichkeiten hatten Sie selbst, das soziale Klima während Ihres Praktikums zu beeinflussen? Was förderte– und was hinderte Sie dabei?

Ein soziales Klima zu beeinflussen, denke ich, ist eher weniger gut möglich. Ich betrachtete das soziale Klima, unter dem Aspekt wie die Erzieherinnen untereinander wirkten und auch auf die Kinder gewirkt haben.
Die Erzieherinnen sind Vertrauenspersonen. Ein Fremder kann nicht gleich mit allen Kindern zum spielen aufbrechen. Es dauert eine Zeit, bis man das Vertrauen zu den Kinder aufgebaut hat und mit ihnen zum Beispiel spielen zu können. Jedoch ist das von Kind zu Kind unterschiedlich und es kommt auch sehr darauf an, wie man auf die Kinder zugeht und sich ihnen gibt.
Ich bin nicht der Meinung, dass man was fördern oder beeinflusse sollte. Die Kinder sind bereits so selbstständig, um selbst entscheiden zu können, mit wem sie spielen möchten oder mit wem sie nicht spielen wollen.




Gratis bloggen bei
myblog.de